Der UNIQA Tower
• Tower Allgemein
• Neue Blickpunkte
• LED-Design
• Leopoldstadt
• Anrainer
• 1. Untergeschoß
• Erdgeschoß
• 1. Obergeschoß
• Bürogeschoß
• Altbestand
• Sicherheit
Interviews
• zum Raumklima
• zum Brandschutz
• Brandschutzübungen
• zum Fitnesscenter
• zur Leopoldstadt

UNIQA Tower Interviews zum Raumklima

Raumklima
Das Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist ein wichtiges Thema: Temperatur, Luftzirkulation, Beleuchtung und Geräuschpegel beeinflussen die Qualität eines Büroraumes maßgeblich. Um ein entsprechend gutes Raumklima zu gewährleisten, sind Überlegungen sowohl aus medizinischer wie auch aus technischer Sicht notwendig. Im Gespräch mit [WORX]-Geschäftsführerin und Redakteurin Susanne Kornfeil stehen Betriebsarzt Dr. Wolfgang Konrad und DI Ernst Morgenbesser Rede und Antwort.
DI Ernst Morgenbesser Dr. Wolfgang Konrad

Dr. Konrad:
Meine arbeitsmedizinische Erfahrung mit dem Klima ist diese: es gibt einerseits Eckdaten physikalischer Natur, die man messen kann. Und dann gibt es die individuelle Empfindlichkeit. Dieses Spannungsfeld muss man berücksichtigen. Und da hilft die Kommunikation, da hilft das sorgsame Eingehen auf besondere Situationen, in denen jemand sagt: "Ja, Ihnen macht das vielleicht nichts, aber mir zieht es".

Susanne Kornfeil:
Was verstehen Sie unter individuellem Spannungsfeld?

Dr. Konrad:
Es geht um die individuelle Empfindlichkeit, die ein Spannungsfeld erzeugt zwischen den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zwischen dem Chef der Gruppe, für den das Ganze ein wichtiges Thema ist, weil das ja die Arbeitsmotivation beeinträchtigt, ob ich mich wohl fühle oder nicht. Wenn man sich wohl fühlt, dann setzen das viele mit Entspannung gleich und glauben, die Leistung ließe nach. Das stimmt überhaupt nicht. Wenn man sich wohl fühlt, kann man maximal etwas leisten.

Susanne Kornfeil:
Somit spielt die Raumtemperatur, das Raumklima eine Rolle, aber der menschliche Part eine zweite Rolle, eine sehr wichtige Rolle?

Dr. Konrad:
Mit dem menschlichen Part verhält es sich so: Man muss sich fragen, in welcher privaten Umgebung befinde ich mich? Es gibt Leute, die haben es bei sich zu Hause eher warm und solche, die haben es eher kühl. Die einen leben bei 22 Grad, die anderen bei 18. Es gibt Leute , die schlafen nur bei offenem Fenster. Dass solche Personen sich im Büro anpassen und einen gemeinsamen Nenner finden müssen, ist auch klar.

Susanne Kornfeil:
Und wie wird diese Temperaturunterschiedlichkeit in einem Open-Space-Büro - so wie Sie es in Zukunft im Tower haben werden - wie wird das reguliert, wie wird das gesteuert?

DI Morgenbesser:
Das ganze Klimasystem des Gebäudes ist auf eine maximale Behaglichkeit aus technischer Sicht ausgelegt. Die Raumtemperatur ist grundsätzlich auf 21 Grad eingestellt. Es ist aber jeder baulich abgetrennte Bereich steuerbar. Wenn ich einen Besprechungsraum habe, kann ich natürlich in diesem Raum die Temperatur regeln.

Susanne Kornfeil:
Gibt es aus medizinischer Sicht die optimale Raumtemperatur, die für jeden Menschen gut ist?

Dr. Konrad:
Es gibt - aus meiner Sicht - nur eine Bandbreite zwischen 18 und 22 Grad, und ob man sich wohl fühlt, im Bezug auf die Temperatur, hängt sehr davon ab, von welchen Materialien man umgeben ist.

Susanne Kornfeil:
Wir haben gerade gehört, dass sich Materialien sehr auf das Wohlbefinden von Mitarbeitern auswirken. Dieser moderne Turm ist aus Glas und wird dennoch behaglich sein - wie haben Sie das bewerkstelligt?

DI Morgenbesser:
Es ist schon in der Wettbewerbsphase mit der Entscheidung für dieses Projekt eine wichtige Weichenstellung erfolgt: Zum Einsatz kommt eine doppelschalige Fassade. Das bedeutet, dass ich eine Hinterlüftung kontrolliert sicherstelle, weil auf der Innenseite öffenbare Fenstertüren sind und ich daher auch im 20. Stock ein Fenster öffnen kann, was sonst nicht möglich wäre. Dies betrifft das subjektive Empfinden. Was das Kälteempfinden, das unbehaglich wirken könnte, betrifft, so ist dieses einerseits durch diesen Luftpolster zwischen den Fassaden gemildert. Das Zweite ist, dass durch die Heizung, die an der Glasfassade angeordnet ist, ein Wärmeschleier aufgebaut wird. Über den Luft führenden Doppelboden wird die Frischluft zugeführt und über die Konvektorengitter dann erwärmt. Sie bildet sozusagen einen warmen Luftpolster an der Glasscheibe.

Susanne Kornfeil:
Man kennt das aus vielen Situationen in Großraum- oder Open-Space-Büros, dass man oftmals in der Situation ist, an den Füßen zu frieren, aber dafür einen sehr warmen Kopf zu haben. Man weiß aber auch, wenn einem an den Füßen kalt ist, ist einem eigentlich körperlich kalt. Gibt es diesbezüglich irgendwelche Vorkehrungen oder wurde da etwas berücksichtigt, was die Luftzirkulation betrifft?

DI Morgenbesser:
Das Raumklima wird rein auf Konvektion hin konditioniert. Das heißt, über die Wärme an der Glasfassade entweder durch die Sonneneinstrahlung oder eben durch die Heizung, wenn eine entsprechend kalte Außentemperatur vorherrscht. Die warme Luft steigt auf und streicht über die Kühldecke. Unter einer abgehängten, perforierten Metalldecke sind Kunststoffmatten mit Kapillarröhrchen installiert und darin fließt das Kühlwasser und die warme Luft, die darüber streicht, kühlt ab und sickert durch die perforierte Metalldecke, um den Mitarbeitern einen kühlen Kopf zu bewahren...

Susanne Kornfeil:
...und warme Füße! Jetzt haben wir von der Heizung - Beheizung - gesprochen. Wir haben in diesem Sommer erlebt, wie heiß es sein kann, und dass auch in punkto Klima Vorkehrungen getroffen werden müssen.

DI Morgenbesser:
Ganz wichtig gegen die Wärmeeinstrahlung ist der optimale Sonnenschutz. Dieser befindet sich in dem Zwischenraum zwischen äußerer und innerer Fassade. Und jetzt kommt das Sensationelle: Die Zuluft ist Frischluft, die auf rund 18 Grad konditioniert ist, ich betone: Frischluft, keine umgewälzte Luft. Diese wird über den Doppelboden und über die Konvektorschlitze eingeblasen. Über die zusätzliche Wirkung der Kühldecke ist im Sommer also eine maximale Raumtemperatur von 26 Grad abgesichert.

Susanne Kornfeil:
Wir haben im Winter 21 Grad als Durchschnittstemperatur, im Sommer maximal 26 Grad. Steckt da ein besonderer Grund dahinter, gibt es dafür besondere Ursachen?

DI Morgenbesser:
Es gibt zwei grundsätzliche Zugänge für eine Raumkonditionierung, sprich: Kühlung. Den einen Zugang kennt man, wenn man international reist. Und dort prinzipiell nicht auf 21 Grad, sondern vielleicht sogar nur 18 Grad heruntergekühlt wird. Der andere Zugang ist, dass man von der maximalen Außentemperatur ca. acht Grad herunterkühlt und so auf 26 Grad kommt, weil als Maßzahl ja nicht eine Außentemperatur von 38 oder vielleicht auch 39 aus dem heurigen Sommer angenommen wird, sondern eine eingependelte, mittlere Temperatur über mehrere Tage.

Dr. Konrad:
Für mich ist noch gesundheitlich relevant, wie stark der Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur ist. Viele Autofahrer zum Beispiel kühlen ihr Fahrzeug aus Freude über die Klimaanlage stark herunter und das ist nicht wirklich gesund. Es sei denn, man härtet sich prinzipiell ab, dann kann man dem auch etwas abgewinnen. Auf der einen Seite gibt es also einen starken Temperaturunterschied, der einen unvorbereitet trifft. Auf der anderen Seite das sinnvolle sich-verschiedenen-Temperaturen-Aussetzen. Welches in gewisser Hinsicht schon Sinn macht, um das System im Körper wachzuhalten. Weil alles, was wir nicht benützen, das verkümmert.

Susanne Kornfeill:
Da der Turm aus Glas ist, komme ich noch einmal darauf zurück. Wie gehen Sie mit den Reflexionen des Lichtes in Bezug auf Bildschirm-Arbeitsplätze um?

DI Morgenbesser:
Wir haben zwei Jalousiensysteme: den Sonnenschutz mit Lamellen, die sich optimal nach dem Sonnenstand ausrichten lassen. Zusätzlich ist es für den einzelnen Mitarbeiter möglich, in seinem Arbeitsbereich einen individuellen Blendschutz zu aktivieren. Dieser ist am Innenflügel des Fensters montiert und wird von unten nach oben geführt. Dadurch ist es möglich, die optimale Beschattung für den eigenen Bildschirmarbeitsplatz sicherzustellen.

Susanne Kornfeil:
Wir haben jetzt alles über den Sonnen- und Blendschutz gehört. Wie schaut es mit der Beleuchtung aus? Wird es eine individuelle Beleuchtung für den jeweiligen Arbeitsplatz geben? Wie ist das geplant?

DI Morgenbesser:
Es ist eine technisch optimale Beleuchtung im Büroraster eingerichtet. Und im Bereich der jeweiligen Arbeitsplätze - und das ist eine tolle Innovation - kann jeder Mitarbeiter auf seinem PC das Licht steuern.

Susanne Kornfeil:
Das Licht im Büro selbst, wird das auch von der Haustechnik gesteuert? Und ist die Beleuchtung auf die draußen vorherrschenden Lichtverhältnisse abgestimmt? Oder ist die Steuerung wirklich individuell?

DI Morgenbesser:
Die Haustechnik optimiert die Nutzung des Sonnenlichts durch die Stellung der Sonnenschutzjalousie und der Umlenklamellen, die das Tageslicht an die Decke in den Raum reflektieren. Abhängig von der Lichtintensität wird automatisch das Lichtband dazugeschaltet, wobei das Lichtband, das an der Fassade situiert ist, dimmbar ausgeführt wird und so die Lichtstärke geregelt werden kann. Es ist dem einzelnen möglich, das zu steuern.

Susanne Kornfeil:
Wir haben im Zusammenhang mit der Temperatur das Thema Materialien besprochen. Materialien beeinflussen demnach das Raumklima und das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Wie ist es in dem Bereich mit Licht? Welche Rolle spielt Licht in diesem Zusammenhang?

Dr. Konrad:
Licht spielt eine große Rolle. Ganz wichtig ist hier die Möglichkeit, die Lichtstärke individuell zu beeinflussen. Denn es gibt einen Grenzbereich - etwa, wenn jemand schon ein bisschen schlecht sieht oder eine zu schwache Brille hat - dann braucht er mehr Licht und es tut dann sehr gut, wenn das auch möglich ist. Während jemand anderer sich durch zuviel Licht irritiert fühlen könnte. Man muss darauf achten, wie es einem nach der Arbeit mit den Augen geht. Was wir sicherlich nicht haben wollen, ist dieses unbestimmte sich-nicht-ganz-wohl-Fühlen, das durch ungenügende Beleuchtung ausgelöst wird.

Susanne Kornfeil:
Man weiß, dass Lichttemperatur und Lichtfarben den Menschen mit beeinflussen. Wir haben gehört, dass das Licht im Tower dimmbar und adaptierbar ist. Was halten Sie davon?

Dr. Konrad:
Ich halte sehr viel davon und ich hoffe, dass wir die richtige Lichttemperatur und -farbe finden werden.

Susanne Kornfeil:
Selbstverständlich spielt in Open-Space-Büros die Akustik eine große Rolle. Ich habe gehört, dass Sie sich darüber sehr, sehr viele Gedanken gemacht haben. Gibt es auch im Bereich Akustik Vorkehrungen?

DI Morgenbesser:
Von den Oberflächen des Raumes her hat die Architektur reagiert. Es gibt überall einen Teppichboden und auch durch die perforierte, abgehängte Decke mit den Einbauten dahinter wird die Raumakustik positiv gestaltet. Außerdem werden wir die optimalen Telefoneinstellungen überlegen und suchen.

Susanne Kornfeil:
Gibt es prinzipiell die Möglichkeit, auch in Zukunft noch Optimierungen durchzuführen? Wird es möglich sein, Änderungen zu verfolgen, auf Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen?

DI Morgenbesser:
Ein wesentliches Gestaltungselement bietet die Möblierung - diese Entscheidung ist noch nicht gefallen. Es wird aber Paneele geben, entweder freistehend oder am Tisch montiert, deren weiche Bespannung sich positiv auf die Akustik auswirken wird. Ich denke, dass wir das damit im Griff haben.

Susanne Kornfeil:
Die unteren Geschoße sind aufgrund der nahe gelegenen Straße sehr exponiert. Wird die doppelschalige Fassade auch dafür sorgen, dass man den Straßenlärm nicht hört?

DI Morgenbesser:
Der Turm steht an einer der verkehrsreichsten Kreuzungen, die es im innerstädtischen Bereich gibt und die doppelschalige Fassade ist natürlich eine große Hilfe, um diesen Straßenlärm zu puffern.

Susanne Kornfeil:
Noch einmal in Richtung Arbeitsmedizin: Lärm. Wir wissen, Lärm kann uns krank machen, Lärm beeinflusst uns. Wir haben gehört, die Vorkehrungen sind getroffen, dass wir im Open Space nicht krank werden, sondern dass hier für das Wohlbefinden auch gesorgt wird. Wie wichtig ist es, einen halbwegs ruhigen Arbeitsplatz zu haben?

Dr. Konrad:
Um sich im Büro wohl zu fühlen, ist der Lärm oder das Nichtvorhandensein von Lärm äußerst wichtig. Wir sind gerade dabei, in einem Bereich Erfahrungen zu sammeln, zum Beispiel mit den Paneelen, die schon angesprochen wurden. Und auch im Call-Center. Und da schauen wir sehr genau hin, wie geht es den Leuten, die ununterbrochen telefonieren und sich konzentrieren müssen? Und ich glaube, dass wir diese Erfahrungen auch mit einbeziehen werden.

Susanne Kornfeil:
Wir haben ganz am Anfang über das menschliche Zusammensein gesprochen. Ich denke, auch hier spielt der Lärm mit eine Rolle. Das heißt, das partnerschaftliche Umgehen miteinander ist enorm wichtig. Man muss auch einmal den Mut haben, einem anderen Kollegen zu sagen: "Könntest du bitte so nett sein und einmal ein wenig leiser telefonieren, weil ich fühle mich gestört." Das kann Mitarbeiter auch näher zusammenbringen.

Dr. Konrad:
Ich sehe das durchaus als Chance, einerseits für die Entwicklung einer guten Kommunikationskultur als auch in der Entwicklung - die ja nie aufhört - der Persönlichkeit eines jeden Einzelnen. Von der Arbeitsmedizin her wird es da meine volle Unterstützung geben.

Susanne Kornfeil:
Herzlichen Dank!

• nach oben